4.Brief des Kommandanten an den Oberbürgermeister der Stadt Hameln
Abschrift des Originals
Schützen-Regiment 74 Rgt.Gef.Std., den 20.Oktober 1941
K o m m a n d e u r
Hochverehrter Herr Oberbürgermeister!
Für Ihren freundlichen Brief vom 10.September möchte ich Ihnen meinen herzlichen Dank aussprechen. Ich habe mich besonders gefreut, dass die Stadt und die Bevölkerung Hamelns mit soviel Anteilnahme die Kämpfe Ihres Regiments verfolgt und komme daher Ihrem Wunsche, auch über die weiteren Gefechte des Regiments zu berichten, gerne nach.
Als das Regiment am 8.8. in der Verteidigungsfront vor Bjeloi, in der es zahlreiche russische Massenangriffe, welche von einer starken feindlichen Artl.-Gruppe und durch Schlachtflieger unterstützt wurden, erfolgreich abgewehrt hatte, nunmehr von einem Inf.-Rgt. Abgelöst worden war, verlebte das Regiment in seinem Auffrischungsraum im rückwärtigen Gebiet in der Nähe eines herrlich gelegenen Sees 10 Tage Ruhe und Entspannung. Die Kompanien, welche in diesem Feldzug bisher von Beginn an Tag für Tag ohne Atempause marschiert oder gekämpft hatten, hatten sich diese Ruhe verdient. In dieser Zeit wurden unsere Waffen und Fahrzeuge gründlich überholt.
Am 19.8. kam der Abmarschbefehl. Wir marschierten in 4 Tagen über Welish auf meist sehr schlechten Wegen nach Norden, um hier die russische Verteidigungswege nach Norden, um hier die russische Verteidigungsstellung zu durchbrechen und bei der Bildung des Kessels von Welikije-Luki eingesetzt zu werden. Alte Erinnerungen wurden wach, hatte doch unser Regiment vor über einen Monat schon einmal diese Stadt genommen gehabt. Zunächst wurden wir in diesem Kessel zu seiner Sicherung und Abschirmung nach Nord-Osten und Norden eingesetzt, doch die Entlastungsangriffe des Russen von außen zur Rettung der eingeschlossenen Teile waren schwach. Später bezog das Regiment zur Verengung des Kessels und zur Abwehr der verzweifelt geführten Durchbruchsversuche des Russen, welche durch die rote Luftwaffe stark unterstützt wurden, eine Verteidigungsstelle mit Front nach Süden. Der Russe leistete in seiner überall gezeigten Sturheit, von brutalen Kommissaren mit Pistolen angetrieben und aus Angst, bei der Gefangennahme sofort erschossen zu werden, hartnäckigsten Widerstand. 35000 wurden hier, wie durch Sondermeldung bekannt gegeben, gemacht, das Regiment war mit 2400 hieran beteiligt.
Nach Abschluss dieser Kämpfe wurde zunächst südlich Toropjez etwa 100 km nach Osten vorgestoßen, um bei Sheljesowo über die obere Düna einen Brückenkopf zu bilden, eingesetzt wurde hier jedoch nur das II.Btl. zur Sicherung eines Geländeabschnittes (1.9.). Dann marschierte das Regiment zurück, um nochmals über Toropjez etwa 30 km nach Osten vorstoßend einen Brückenkopf über die Düna bei Dubno zu bilden. Hier zeichnete sich besonders das II.Btl. am 2.9. bei der Abwehr eines russischen Gegenangriffs aus. Hierauf ging der Marsch über Toropjez zurück über Cholm nach Nordosten in die Waldai-Höhen (etwa 200 km). Hier gelang es dem Regiment im Verbande der Division durch überraschenden Vorstoß vom 8. – 16.9. westlich der großen russischen Verteidigungsstellung, welche auf den durch schmale, Langgestreckte Seen zur Abwehr begünstigten Waldai-Höhen lag, die Ostwand des berühmten Kessels südlich des Ilmen-Sees zu bilden und zu halten. Beide Bataillone mussten tagelang hart kämpfen. Die Kämpfe um den Ort Lushno, welches selbst durch russische Bomber völlig in Asche gelegt wurde, waren besonders erbittert. Hier versuchte der Russe durch heftige Entlastungsangriffe aus Nordosten mit schweren Panzern unterstützt den Kessel zu sprengen, während die eingeschlossenen Teile durch fortgesetzt geführte Angriffe, besonders nachts, sich den Weg in die Freiheit nach Osten zu bahnen versuchte. 54000 Gefangene und ungeheure Beutezahlen gab die Sondermeldung für diesen Kessel bekannt, das Regiment konnte etwa 1500 Gefangene einbringen. Am 16.9. traten wir den Marsch nach Süden an, um nochmals für eine Woche westlich Osztaschkow für die Abwehr eines russischen Gegenangriffes eingesetzt zu werden. Hier wurden wir am 30.9., da die 19.Pz.Division nunmehr für den großen Angriff im Frontabschnitt Mitte eingesetzt werden sollte, abgelöst. Trotzt der großen Erfolge des Regiments verließen wir die Waldai-Höhen gern, da schlechteste Wege, zäher Lehm und Schlamm, undurchdringliche Sumpfwälder die Fahrzeuge und Waffen stark überbeansprucht hatten.
In einem 800 km Marsch, dieses mal auf den wenigen guten russischen Hauptstraßen, erreichte das Regiment Cholm, Opotschka, Newel, Witebsk seinen neuen Aufmarschraum südlich Smolensk, welche durch die dort stattgefundenen Kämpfe fast völlig zerstört und bis auf die Grundmauern niedergebrannt waren.
Am 2.10. begann im Abschnitt Mitte der große Angriff auf breiter Front, dessen Ergebnis die beiden Kessel von Wjasma und Brjansk mit über 670000 Gefangenen waren. Unser Regiment marschierte im Rahmen dieser Operation am 0.10. über Rosslawl, Juchnow nach Medyn (etwa 300 km), um hier nach Beendigung der beiden Kessel vom 13. – 19. in harten Kämpfen, in denen sich beide Bataillone durch besondere Tapferkeit und Angriffsschwung auszeichneten, die durch Bunker und stärkste Feldstellungen ausgebaute Moskau-Verteidigungsstellung westlich Malo-Jarosslawez erfolgreich zu durchbrechen. Dieser Durchbruch ist neben unserem Durchstoß der Stalin-Linie über die Drissa nördlich Polozk (13.7.) der bisher größte Erfolg des Regimentes, auf den wir alle unsagbar stolz sind. In den kommenden Tagen wird es unsere Aufgabe sein, diesen Erfolg auszunutzen, die Stoßrichtung ist das Herz Russlands, Moskau. Die Verluste des Regiments sind in den letzten Kämpfen leider nicht unerheblich gewesen, möge die Heimat die Namen der Gefallenen, die ihr Leben für Deutschland ließen, in ehrendem Gedenken halten, wir aber hoffen fest, dass, da der Feind offensichtlich seine letzten Divisionen zum Schutze seiner Hauptstadt uns entgegenwirft, und nach Zerschlagung und Vernichtung so vieler russischer Armeen in den letzten Wochen, dieses Ziel auch recht bald erreicht werden wird.
Mit ergebensten Grüßen verbleibe ich mit
Heil Hitler!
Junck
Oberst und Rgt.-Kommandeur.
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