Der Garnisonsfriedhof in der Deisterstrasse

Vor der Anlegung des Garnisonfriedhofes an seinem heutigen Standort an der Deisterstraße wurden Offiziersbestattungen wie Bürgerbestattungen auf dem Münsterkirchhof, in der Garnisonkirche oder der Marktkirche vorgenommen. Wahrscheinlich 1676 wurde nach dem Kauf von 2 Gärten des Bürgers Wilhelm Röper der Garnisonfriedhof angelegt. 1685 fand dort die erste nachweisbare Bestattung statt.

Bestimmung des Friedhofes sollte eine Bestattungsfläche ausschließlich für Offiziere sein. Ausnahmen gab es mehrere. Obwohl auf dem Friedhof ursprünglich nur Einzelgräber vorhanden waren, war es nach kurzer Zeit zur Gepflogenheit geworden, Angehörigen eines beigesetzten Offiziers weitere Plätze frei zu halten. Diese Regelung führte dann zu Familienbegräbnissen.

Da den in dieser Zeit eingewanderten reformierten Hugenotten zunächst die Mitbenutzung des bürgerlichen Friedhofes untersagt wurde, räumte ihnen die Regierung vorübergehend (bis 1708) ein Gastrecht auf dem Soldatenfriedhof ein.

Während des Siebenjährigen Krieges, besonders nach der Schlacht von Hastenbeck am 26. 7. 1757 , wurden ebenfalls die in den Lazaretten zuhauf gestorbenen Franzosen hier begraben. Nachdem sich in einem Fall ein Franzose auf dem Friedhof als noch lebendig erwiesen hatte, wurden die toten Soldaten zunächst an der Marktkirche 24 Stunden aufgebahrt, um danach, in Säcke gehüllt, fuderweise zum Friedhof gekarrt und schichtweise zwischen ungelöschtem Kalk in Massengräbern beigesetzt zu werden. Auf diese Weise sind auf dem Friedhof über 1000 Franzosen bestattet worden

Nach diesen großen Zugang war 1761 dringend eine Erweiterung der Friedhofsanlage um 3 Morgen notwendig geworden. In der Folge wurde der Friedhof wieder gemäß seiner ursprünglichen Bestimmung belegt.

Im Jahre 1865 nahm die Stadtverwaltung den Friedhof von der Garnison in ihre Obhut. 1907 wurden die beiden reich verzierten Torpfosten von dem Steinmetz Franz Mainzer am Eingang aufgestellt. Während des ersten und zweiten Weltkrieges wurden außer Offizieren auch Mannschaften beigesetzt.

1950 geht der 3121 qm große Friedhof in Verwaltung und Eigentum der Stadt Hameln über.

Auf dem Friedhof sind hochrangige Personen der Militärgeschichte bestattet. Dabei handelt es sich nicht nur um Offiziere aus dem Hamelner Raum, sondern um militärische Würdenträger aus dem ganzen norddeutschen Raum, die z.T. auch nur ihren Lebensabend in Hameln verbracht haben. Neben Mitgliedern der Hamelner Garnison und Kommandanten der Festung Hameln sind hier ebenfalls Männer bestattet, die sich sowohl innerhalb der hannoversch-britischen Legion (ab 1803 Rekrutierung dieser Armee in England, zu der sich scharenweise deutsche Soldaten der hier aufgelösten kurhannoverschen Armee meldeten) auf berühmten europäischen Schlachtfeldern einen Namen gemacht haben, als auch auf den Schlachtfeldern Nordamerikas wirkten, wie z.B. Captain Spießmacher.

Der Garnisonfriedhof ist seit 1987 als Ganzer als Baudenkmal ausgewiesen

 
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