Das 4.Hannoversche Infanterie-Regiment Nr.164

Am 1.April 1897 wurde das Infanterie-Regiment Nr. 164 aufgestellt. Es bildete mit dem 165. Infanterie-Regiment zwei Jahre lang die 82.Infanterie-Brigade.  Zur Bildung des Regiments wurden 4 Halbbataillone der 13. und 14. Kompanie der Regimenter 73, 74, 78 und 91abgegeben.  

Regimentsstab und II. Bataillon kamen nach Hameln, in die vom III. Bataillon Regiment 79 innegehabten Kasernen an der Deisterstraße. Das II. Bataillon lag erst in Hannover, bevor es am 1.Oktober 1898  nach Hameln in die neue Kaserne an der Scharnhorststraße kam.  

Vom 24.Januar 1899 wurde das Regiment Träger der Überlieferung des vormaligen "II. Hannoverschen Infanterie-Regiments". Es führte fortan die Bezeichnung "4.Hannoversches Infanterie-Regiment 164", außerdem wurde ihm ein Helmband mit der Inschrift "Waterloo" verliehen.           

Ab 1.April 1899 bildeten die 164er zusammen mit dem 3.Hannoverschen Infanterie-Regiment Nr.79 in Hildesheim die 39.Infanterie-Brigade.                             

Aufgrund der Heeresverstärkung  erhielt das Regiment am 1.Oktober 1913 ein drittes Bataillon, welches in Holzminden stationiert wurde. Außerdem eine in Hameln verbleibene MG-Kompanie.

 

Die 164er im 1. Weltkrieg

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Nachdem am 1.August 1914 der kaiserliche Mobilmachungsbefehl ergangen war, wurde er in den nächsten Tagen ohne nennenswerte Probleme beim Regiment durchgeführt. Am 8.August 1914 wurden die Bataillone in Hameln und Holzminden auf die Bahn verladen und es ging über Hannover, Bremen, Oldenburg, Rheine, Coesfeld, Köln, Düren, Aachen nach Sourbrodt (liegt zwischen Monschau und Malmedy, noch auf Reichsgebiet, heute Belgien - lag damals hart an der deutsch-belgischen Grenze). Von da ging es im Fußmarsch zum nahen Truppenübungsplatz Elsenborn(1). Am 11.August 1914 ging es von dort aus im Verband der II. Armee unter Generaloberst v.Bülow gegen die belgische Grenze vor, die am selben Tage überschritten wurde. Bei sengender Hitze ging es über Spa(2), zwischen der bereits eroberten Festung Lüttich und der noch nicht genommenen Festung Namur hindurch über die Maas auf die Sambre zu.

Die Schlacht bei Namur, 22.-24.August 1914

Am 22.August 1914, nach 300 km Fußmarsch in sengender Augusthitze, erhielt das Regiment dort seine Feuertaufe. Bei Tergnee wurde die Sambre überschritten und im verlustreichen Angriff die in der Nähe von Tamines(3) ,westlich von Namur, liegende Kohlenhalde erstürmt. Die Feuertaufe hatte dem Regiment am ersten Tag 6(5) Offiziere und 89(179) Mannschaften als gefallen (verwundet) gekostet, sowie 54 Mann als vermisst. Im Ganzen 12 Offiziere und 322 Mann !!

An den nächsten 2 Tagen wurde die Verfolgung des zurückweichenden Feindes aufgenommen. Über Gougnies ging es nach Gaypree und am 2. Tag ging es über Oret nach Yes-Gomezee(4). Die Verluste der 2Tage betrugen 1(8) Offiziere und 60(310) Mannschaften gefallen (verwundet) und 310 Mann vermisst. Die Schlacht bei Namur kostete 22 Offiziere und 910 Mann !!

Die Schlacht bei St.Quentin, 28.-30.August 1914

Am 26.August wurde die belgisch-französische Grenze überschritten. Immer noch brannte die Sonne auf die Marschstraße. Der Feind hatte inzwischen das Südufer der Oise besetzt um den Vormarsch aufzuhalten. Nach schweren Kämpfen wurde der Übergang über den Fluss erzwungen. Das erste Mal lag das Regiment in dem zu dem Zeitpunkt noch ungewohnten starken Artilleriefeuer. Guise(5) - Flavigny  - La Desolation und Louvry-Ferme waren Stationen des Vormarsches. Obwohl nur Teile des Regimentes in vorderer Linie eingesetzt waren und das Regiment in der Hauptsache nur eine Verteidigungsstellung inne hatte, verlor es in den Tagen der Schlacht weitere 3 Offiziere und 189 Mann. Der 31.August war Ruhetag und Teile des Regiments wurden abkommandiert um das Schlachtfeld aufzuräumen, Ausrüstungsstücke einzusammeln und Gefallene zu beerdigen.

Der Vormarsch zur Marne und die Wende im Krieg

Am 1.September setzte das Regiment seinen Vormarsch in südlicher Richtung gegen die Marne fort, die am 3.September erreicht und nach Kampf um die besetzten Brücken bei Port a Binson in der Nacht überschritten wurde. Nachdem das I. Bataillon sich schon am 4.September zwischen 7:00 und 9:00 Uhr in den Besitz von Oyes, etwa 40 km östlich Paris, gesetzt und dort den ganzen Tag über in schweren Artilleriefeuer ausgehalten hatte, wurde es abends wieder zurückgezogen. Am anderen Tage erging erneut der Befehl, dass das Regiment sich in den Besitz von Oyes und des unmittelbar südlich davon gelegenen Dorf und Schloss Mondement(6) zu setzen habe. Wiederum wurde der Vormarsch durch die Sumpfniederungen des südlich von Reims sich hinschlängelnden Petit Morin auf Oyes angetreten, das gegen 18:00 Uhr erreicht und dem Feind entrissen wurde. Am nächsten Morgen wurde zum Angriff auf Dorf und Schloss Mondement angetreten. Unter schweren Verlusten drangen Teile des I. und II. Bataillons durch das Dorf bis zum Schloss vor und hielten es den ganzen Tag, während die feindliche Artillerie die kleine Schar, die sich bis zum Schloss durchgeschlagen hatten, mit schwersten Kaliber zu zermürben versuchte. Mehrere Gegenangriffe der Franzosen wurden unter schweren Verlusten der Angreifer abgewiesen. Doch es gab keine Verstärkung, auch waren beide Flanken sehr schwach, da die anderen Regimenter den Vorstoß nicht mitmachen konnten.

Um 17:00 Uhr kam von Regimentsstab der Befehl zum Rückmarsch! Mit diesem, von der obersten Heeresleitung angeordneten Rückzug der 1. und 2.Armee, war dem siegreichen Vordringen des deutschen Heeres ein Ende gesetzt.

Ihre opfervolle Eroberung und Verteidigung von Dorf und Schloss Mondement am 9.September 1914 gilt in der Militärgeschichte als "eine der glänzendsten Waffentaten des Heeres von 1914", das mit 14 Offizieren und 650 Mann an Verlusten bezahlt wurde!!! Am gleichen Tage wurden in der heimischen Garnison 800 Kriegsfreiwillige verabschiedet. Im Stellungskrieg bei Reims reihte man sie in den Frontkompanien ein. Allein das Gymnasium stellte im ersten Kriegsjahr fast hundert Freiwillige.

Der Stellungskrieg bei Reims

Bei Anbruch der Dunkelheit wurde der Rückmarsch auf Oyes angetreten, unter Mitnahme aller Verwundeten, die dann in der Kirche von Oyes doch dem nachfolgenden Feind in die Hände fielen. Zurück ging es über Epernay, südlich vorbei an Reims zur Aufnahme einer Verteidigungsstellung östlich Reims(7). Drei Tage lang, vom 13. bis 16. September 1914 musste das Regiment dort wieder schwerstes Artilleriefeuer über sich ergehen lassen. Am 17.September wurde es abgelöst und in eine neue Stellung am Aisne-Kanal östlich Reims bei Bourgogne - Fresnes und anschließend in eine Stellung gegenüber Betheny und dem hochgelegenen Cormicy verlegt.

Am 19. Oktober rückte das Regiment nach Bertricourt(8), nördlich Reims, in der Champagne. Hier wurde das erste Weihnachtsfest im Krieg gefeiert. Die Verluste des Regiments waren verhältnismäßig gering.

Am 31.Januar 1915 wurde das Regiment abgelöst und kam wieder nach Fresnes-les-Reims(9), wo östlich von Reims eine neue Stellung bezogen wurde, auch hier blieben dem Regiment größere Verluste erspart.

Dann vollzog sich für die 164er ein Wechsel, bis dahin gehörten sie zur 39.Brigade der 20.Infanterie-Division, des hannoverschen X. Armeekorps, wo sie ausgegliedert wurden und mit dem Füsilier-Regiment 73 und dem hanseatischen Infanterie-Regiment 76 zur neuen 221.Brigade der 111.Infanterie-Division zusammengelegt wurden, der sie bis Kriegsende verbunden blieben.

Zunächst ging es in Ruhequartiere weit hinter die Front, südwestlich Brüssel(10). Dort wurde viel exerziert und und die Kompanien, da diese durch Ersatzmannschaften aufgefüllt wurden, ausgebildet.

Der Sturm auf Les Eparges

Am 10.April 1915 wurde das Regiment mit der Bahn über Cambrai, St.Quentin, Sedan nach Mars la Tour befördert. Am 15.April ging es weiter nach Thiaucourt am Ausgang der sogenannten Woevre-Ebene, südwestlich Metz. Hier begannen die Vorbereitungen zu dem Sturm auf die Combres-Höhen bei Les-Eparges(11) an der Grande Tranchee, die in nordwestlicher Richtung auf Verdun zu läuft. Am 24.April 1915 wurden die gesteckten Ziele in kurzer Zeit erreicht und der Gegner aus den Stellungen geworfen, aber nicht ohne dabei selbst schwere Verluste zu erleiden. Auch in den folgenden Tagen wird die eroberte Stellung trotz schweren feindlichen Artilleriefeuers und wiederholter starker Gegenangriffe gehalten und ausgebaut, bis das Regiment am 28.April 1915 abgelöst wird, um eine Waldstellung im Ritterwald bei Dompierre und Dommartin in der Moevre-Ebene zu beziehen. Aber schon am 14.Mai geht es wieder weiter zurück nach Mars la Tour - Vionville, von wo das Regiment am 17.Mai mit der Bahn nach Douai(12) befördert wird, um in den nahe gelegenen Dörfern Sin-le-Noble und Dechy für einige Zeit Ruhe zu haben und die Ausbildung der Ersatzmannschaften auszuführen.

Stellungskämpfe im Artois

Am 28.Mai 1915 wurde das Regiment wieder in Douai verladen, um mit der Bahn nach Croisilles, südlich Arras, im Artois befördert zu werden. Von dort ging es mit Fußmarsch nach dem 10 km entfernten Boiry(13), südlich Arras, wo das Regiment 1 1/4 Jahre vom 29.Mai 1915 bis 21.August 1916 bleiben sollte. Damit begann für das Regiment eine verhältnismäßig ruhige Zeit. Auf dem Ehrenfriedhof in Boiry liegen aber auch eine Menge 164er, die bei den kriegerischen Unternehmungen in der langen Zeit um Boiry fielen.

Zu nennen sind die Herbstschlacht bei La Bassee und Arras vom 25.Septenber bis zum 13.Oktober 1915, bei der das Regiment vor allem am 25.September 1915 starke feindliche Angriffe gegen die Stellung bei Fricheur - Blaireville erfolgreich abwehrten.

Ansonsten wurde viel geschanzt und die Stellung bis in die rückwärtigen Lagen ausgebaut und verbessert.

Im Juni wurde es wieder unruhig. Im Zusammenhang mit der inzwischen entbrannten Schlacht an der Somme unternimmt der Feind - inzwischen sind es Britische-Einheiten die die Franzosen abgelöst hatten - wiederholt Gasangriffe, ohne aber großen Schaden anzurichten. 

 

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An der Somme bei Combles

Am 21.August 1916 hieß es Abschied nehmen von Boiry und der vertraut gewordenen Stellung. Mit Lastwagen ging es den schon seit geraumer Zeit, von der Somme her, zu hörenden Kanonendonner entgegen, ins Kampfgebiet bei Combles(14), nordwestlich von Peronne. An der Somme war eine Materialschlacht entbrannt, wie sie das Regiment bis dahin noch nicht kannte.

Schon der Anmarsch zur Stellung auf der unter ständigen Artilleriefeuer liegenden Straße war mit großen Verlusten verbunden, doch an den Tagen vom 3. und 4. September 1916 erlitt das Regiment die bis dahin schwersten Verluste. Besonders betroffen wurde die am rechten Flügel in einer Vorgeschobenen Stellung liegende 6.Kompanie, die am 3.September trotz starker Gegenwehr überrannt wurde. Während die 7. und 8. Kompanie an diesem Tag ihre Stellung halten konnte, teilten am folgenden Tag die 2. und 3. Kompanie das Schicksal der 6.

Die Verluste des Regiments betrugen in der Sommeschlacht: 7 Offiziere und 121 Mann tot, 14 Offiziere und 600 Mann verwundet, 7 Offiziere und 356 Mann vermisst.

Zwischen Maas und Mosel

Das nicht mehr kampfkräftige Regiment wurde am 7.September 1916 abgelöst und mit Lastwagen nach Vaur-Audigny, südlich von Le Cateau-Cambresis(15), transportiert, um kurz darauf in eine sogenannte "ruhige Stellung" südlich der schon bekannten Grande Tranchee in der Woevre-Ebene zu beziehen. Ruhequartier war das Barackenlager bei Billy-sous-Mangiennes(16).

Am 20.Oktober 1916 wechselte der Regiments-Kommandeur. Oberst Herzbruch gab die Führung an Major Freiherr von Forstner ab.

Wieder an der Somme

Vom 8.November bis zum 19.Dezember 1916 war das Regiment zum zweiten Mal an der Somme, und zwar diesmal in der Nähe von Bellicourt(17), wo es eine Trichterstellung inne hatte. Anschließend ging es ins Etappengebiet unweit von St.Quentin(18) um sich von den Strapazen der letzten Monate zu erholen.

Am 14.Januar 1917 ging es zum dritten Mal an die Somme. Zunächst nach Vermand(19) und von da nach Athies-Devise, südlich des völlig zerschossenen Peronne(20). Am 7.Februar ging es nach Mons a Chaussee, südöstlich Peronne. Es begannen die Vorbereitungen des Rückzuges in die Siegfriedstellung.

Rückzug in die Siegfriedstellung

Am 13.März 1917 wurde der Rückzug  des Regiments auf die unfertigen Siegfriedstellung planmäßig durchgeführt. Bei Bellenglise(21), nordwestlich St.Quentin bezog das Regiment eine Vorpostenstellung. Erst am 24.März fühlte der Feind gegen die neue Stellung vor und es gibt in den folgenden Tagen Vorpostengefechte.

Am 8.April 1917 wurde das Regiment abgelöst. Da inzwischen im Raum Lens - Arras starke britische Angriffe eingesetzt haben, kommt das Regiment nicht wie vorgesehen, in Ruhequartiere südlich Lille, sondern wurde vielmehr sofort an der zwischen den beiden genannten Orten gelegenen Vimy-Höhe direkt westlich Douai(22) eingesetzt, wo der Feind bereits die erste und zweite Stellung genommen hatte und nun auch gegen die dritte Stellung vorging. Den ganzen Tag lag Artilleriefeuer schwerster Kalibers auf den Schützengräben, die oft völlig eingeebnet wurden und dann nachts notdürftig wieder hergerichtet werden mussten. Am 28.April erfolgte der schon seit Tagen erwartete Angriff, der besonders die 12.Kompanie in Mitleidenschaft zog. Auch in den folgenden Tagen belegt der Feind das Regiment mit Artilleriefeuer schwerster Kalibers.

Bellenglise

 Am 1.Mai wurde das Regiment, das in diesen Tagen wieder schwerste Verluste erlitten hatte, abgelöst, um nun wieder eine Vorfeldstellung vor der Siegfriedstellung bei Bellenglise(23), unmittelbar am Somme-Kanal, unweit St.Quentin, zu beziehen. Auch in dieser neuen Stellung blieben dem Regiment Verluste nicht erspart, zumal beiderseits eine rege Patrouillentätigkeit stattfand.

Am 23.Juni 1917 verlässt das Regiment wieder diese annehmbare Stellung, um in der Nähe östlich Cambrai(24) für längere Zeit in Ruhe zu kommen. Das mit kampfungewohnten Ersatz aufgefüllten Regiment übte in dieser Zeit systematisch.

Flandern

Inzwischen war die Schlacht in Flandern im vollen Umfange entbrannt und auch für das Regiment war Flandern das Ziel. In den Tagen vom 25. bis 27.Juli 1917erfolgte der Abtransport des Regiments mit der Bahn nach Roeselare, um sofort vor Bikschote(25), südwestlich des Houthoulsterwaldes, eingesetzt zu werden, wo es bis zum 4.August blieb. Ebenso wie im September 1916 an der Somme war auch hier schon der Vormarsch zur Stellung durch das schwierige und unübersichtliche Gelände mit erheblichen Verlusten verbunden, die sich in  den folgenden Tagen infolge des ständigen Artilleriefeuers, mit dem der Feind nicht nur die eigentliche Stellung, sondern das ganze rückwärtige Gelände belegte und das von Zeit zu Zeit zum schwersten Trommelfeuer anschwoll, in erschreckender Weise vermehrten. Am 3. August traf der Ablösebefehl ein. In Gits wurde das Regiment verladen und mit der Bahn ging es über Brüssel, Namur, Sedan mal wieder nach Mars la Tour(26) und von dort für einige Tage in die Ruhequartiere Rezonville und Vionville. Aber schon am 9. August bezieht das Regiment wieder eine neue Stellung bei Remenauville, südlich Thiaucourt-Regnieville(27), wo sich die Kampftätigkeit auf allnächtliche Patrouillengänge zur Aufklärung des Vorgeländes beschränkte.

Das 2. mal in Flandern

Im Oktober ging es wieder nach Flandern, nach Izegem(28) bei Roeselare. Am 21.Oktober bezog das Regiment eine Stellung östlich Poelcapelle(29) - Westroosebeque. Allerdings bestand die Stellung nur aus mehr oder weniger großen Trichtern, zwischen denen nur einige wenige Betonklötze als Stützpunkte eingebaut waren. Auch hier erlitt das Regiment sowohl beim Vormarsch in die Stellung, wie auch bei den mehrfachen Angriffen, die der Feind in den folgenden Tagen gegen dieselbe unternimmt, wieder erhebliche Verluste.

Kämpfe in der Siegfriedstellung, 14.11.1917 - 19.1.1918

Nach kurzer Ruhe in Tourcoing(30) ging es dann wieder in die Siegfriedstellung bei Fontaine-les-Croisilles(31) und Chérisy(32) bzw. Lecluse(33), östlich der früheren Stellung bei Boiry, wo die Briten den Aufenthalt durch zunehmende Feuerüberfälle mit Minen, sehr erschwerten.

Inzwischen hatte der Feind am 19.November 1917 zur großen Tankschlacht bei Chambrai angesetzt. Das II. Bataillon wurde infolgedessen am 20.November der linken Nachbardivision unterstellt, bei der der Feind eingedrungen ist. Zusammen mit Infanterie-Regiment 471 verhindert das Bataillon in der Zeit vom 20. bis 30. November 1917 ein weiteres Vorgehen des Gegners.

Am 30.November 1917 übernimmt Oberst Wallmüller die Führung des Regiments.

Durch den Waffenstillstand im Dezember 1917 und den darauffolgenden Friedensvertrag mit Russland am 3.März 1918, wurden viele Regimenter im Osten frei. Das Oberkommando wollte damit nun auch im Westen die Entscheidung suchen.

Das Regiment verblieb noch bis Mitte Januar1918 in der bisherigen Stellung. Dann kam es zur Ausbildung für die bevorstehende große Offensive in die Gegend von Aniche(34).

Am 30.Januar ging es wieder an die Front, wieder ins Artois in die Gegend von Recourt(35). Wo das Regiment bis zum 1.März 1918 in Stellung lag, um dann wieder nach Aniche zurückzukehren um die Ausbildung weiter zuführen.

Die große Schlacht in Frankreich, 21.3. - 6.4.1918

Am 17.März 1918 marschierte das Regiment nach Rumaucourt, um sich dort im Rahmen der nun beginnenden großen Durchbruchsschlacht zum Angriff auf Roreuil westlich Cambrai und südlich der früheren Stellung bei Boiry bereitzustellen.

Am 21.März 1918, um 4:00 Uhr, beginnt die große Schlacht zwischen Croisilles und La Fere, südlich St.Quentin, auf einer Frontbreite von 70 km. Um 12:00 Uhr schon hat das Regiment sein gesetztes Ziel erreicht und Noreuil in Sturm genommen, danach ging es sofort weiter gegen eine 1 Km entfernte Geschützstellung südwestlich Noreuil. Auch in den folgenden Tagen wird der Angriff fortgesetzt in die bekannte Gegend von Croisilles - St.Leger, danach geht es gegen die Höhen nördlich und südlich des Dorf Mory(36). Nachdem das Regiment am 23.März ihr letztes Angriffsziel, die Straße Arras - Bapaume erreicht hat, wird es in der Nacht vom 25. und 26. März zurückgezogen. Das Regiment bezieht Stellung nordwestlich Queant(37).

Das Regiment hatte in den Tagen des Angriffs wieder schwere Verluste: 17 Offiziere und 185 Mannschaften tot, 18 Offiziere und 699 Mannschaften verwundet, vermisst wurden 140 Mannschaften.

Kämpfe zwischen Arras und Albert, 31.3. - 20.8.1918

Am 30.März 1918 rückte das Regiment nach Croisilles - St.Leger(38) - Moyenneville - Hamelincort. In der neuen Stellung beschränkt sich die Tätigkeit des Regiments auf zahlreiche Patrouillenunternehmungen. Am 21.April wird das Regiment abgelöst und bezieht Ruhequartier in Oisy - Le Verger, nordwestlich Cambrai, um am 3.Mai wieder bei Burqoi nordwestlich Bapaume(39) eingesetzt zu werden. Wo wieder beiderseits eine rege Patrouillentätigkeit entfaltet wird.

Am 22.Juni 1918 erhält das Regiment einen neuen Regimentskommandeur in der Person des Majors v. Bismarck.

Die Schlacht bei Monchy - Bapaume, 21.8. - 2.9.1918

Nachdem das Regiment am 16. und 17. August abgelöst wurde, wird es für einige Tage zurückgezogen. Aber schon am 24.August wird es wieder nach Baralle, nordwestlich Cambrai, an der großen Straße Arras - Cambrai in Marsch gesetzt, um dort in die Kämpfe, die sich bei Monchy - Bapaume entwickelt hatten, einzugreifen.

Am 28.August ging es wieder zurück nach Baralle(40) und von dort zur Besetzung der Wotan-Stellung bei Cagnicourt(41), wo das Regiment in den folgenden Tagen starke feindliche Angriffe abwehrte, ohne verhindern zu können, dass der Feind schließlich doch durchbrach, nachdem er die in vorderer Linie befindlichen  Kompanien rechts und links überflügelt hatte.

 

Das Denkmal am 164er Ring

Letzte Kämpfe und Rückmarsch

Bei der notwendig gewordenen Neugliederung und dem dadurch bedingten Stellungswechsel, der im heftigstem feindlichen Artilleriefeuer vorgenommen werden musste, wird der Regimentskommandeur Major v. Bismarck leicht verwundet. Am 3.September wird das Regiment hinter die Front zurückgenommen, um mit Rücksicht auf die schweren Verluste, die es in den letzten Wochen erlitten hatte, dort neu gegliedert zu werden.

Am 13.September 1918 übernahm Major Fett als letzter Feldzugskommandeur die Führung des Regiments. Unter seiner Führung hatte das Regiment noch an verschiedenen Stellen der Westfront in den Rückzugskampf eingegriffen.

Am 20.September kam es noch zu einer Besichtigung in Mons-en-Pevele(42) an der Straße nach Versee durch Generalfeldmarschall v. Hindenburg.

Am 22.September bezog das Regiment eine neue Stellung südlich Billy-Montigny(43) in der Nähe des vom Frühjahr 1917 bekannten Vimy-Höhe bei Henin-Lietard.

Durch die Großangriffe der Gegner bei Ypern, an der Lys und vor Cambrai war eine Rückverlegung der Front notwendig beworden.

Am 11.Oktober wird das Regiment zurückgezogen, um sofort in die Gegend von Valenciennes(44) befördert zu werden, wo es in der Zeit vom 12.Oktober bis 11.November 1918 an den Kämpfen vor und in der Hermannstellung, sowie vor der Antwerpen- und Maasstellung beteiligt war.

Auch bei der mit ständigen Kampfhandlungen verbundenen Rückwärtsbewegung hatte das Regiment noch schwere Verluste. Gefallen sind im ganzen Krieg 146 Offiziere, 247 Unteroffiziere und 2030 Mannschaften.

Nachdem am 11.November 1918 die Feindseligkeiten eingestellt waren, begann die Räumung der besetzten Gebiete und der Rückmarsch in die Heimat. Eine schwere Aufgabe war es für die Führung, die Streikkräfte in der gesetzten Zeit auf das rechte Rheinufer zurückzuführen.

Am 18.November 1918 überschreitet das Regiment nach über 4 Jahren wieder die deutsche Grenze. Von Valenciennes , an der französisch-belgischen Grenze, von wo es in soldatischer Disziplin im Fußmarsch über Verviers(45), Eupen(46), Köln, Soest, Paderborn und Horn  wieder nach Hameln geht, wo das Regiment am 13.Dezember, nach 435 km, seinen Einzug in eine festlich geschmückte Garnisonstadt hielt und  wo es unter Glockengeläut von der Bevölkerung herzlich begrüßt wurde.

Bereits in Soest, am 2.Dezember, wurden ein Teil der älteren, verheirateten Regiments-Angehörigen entlassen. Am 14. und 15. Dezember werden in Hameln, bis auf die Jahrgänge 1896 bis 1899, die anderen Jahrgänge entlassen.

Am 22.März 1919 wird nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags das Infanterie-Regiment 164 aufgelöst.

Am 23.August 1925 wurde  am 164er Ring ein Denkmal  für die Gefallenen des Regiments eingeweiht, dass im Jahre 2001 aufwändig restauriert wurde.

 
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