Der Ohrbergpark

Der Steintisch
Das Gasthaus
Der Gedenkstein
Blühender Rhododendron
Blick ins Emmerthal
Aussichtsstelle ins Emmerthal

Unmittelbar vor den Toren Hamelns, schon auf dem Gebiet der Gemeinde Emmerthal, liegt dieser Bergpark mit einer Fläche von 45 Hektar Größe. Topographisch stellt er mit seinen flachen West und dem steil zur Weser hin abfallenden Osthang bereits eine Besonderheit dar. Dieser Steilhang entstand allerdings 1858 durch Sprengungen für die Straße, die heutige B 83.

Der Oberst Georg Adolf von Hake war von 1818 bis zu seinem Tode 1840 Besitzer des nahegelegenen Rittergutes Ohr und der Schöpfer jener großartigen Anlage,  dessen Entstehung eine dramatische Geschichte vorhergeht, die aber mehrere Versionen hat.

Über den Oberst Georg Adolf von Hake berichtet der Volksmund, soviel steht auch am Ende jeder der verschiedenen Versionen, dass der als Kommandeur eines hannoverschen Truppenteils einen Befehl des Herzogs von Wellington nicht beachtet habe, als Engländer und Hannoveraner bei Waterloo im Jahre 1815 gegen die französische Armee unter ihrem Kaiser Napoleon I. kämpften und schwere Verluste hatten. Durch ein befehlswidriges Verhalten sei er in Ungnade gefallen und zu lebenslänglicher Haft auf seinem Gut in Ohr verurteilt worden.

Im Jahre 1817 begann Georg Adolf von Hake, den südlichen Teil des Ohrberges, der bis dahin als Schafsweide benutzt wurde, in einen Landschaftspark umzuwandeln. Damit er die Arbeiten besser überwachen konnte, ließ er 1826 einen Pavillon bauen, den er im Sommer bewohnte. Dieser wurde 1965, da er baufällig geworden war, abgebrochen. An der gleichen Stelle und im gleichen Stil wurde dafür eine moderne Gaststätte für die Besucher des Ohrbergparks errichtet. Dicht bei der heutigen Gaststätte, auf einem Hügel, unter alten Eichen, steht ein großer Steintisch. Die riesige, zwölf Quadratmeter große Deckplatte stammt aus einem Steinbruch des Voglers. Sie besteht aus rotem Sandstein und wurde von einem Vetter aus Buchhagen am Vogler für den Ohrbergpark gestiftet. Sieben Stützen, die in Form von Säulen die Tischplatte tragen, sind aus dem Gestein des Ohrberges hergestellt worden.

Auf seinen Auslandsreisen hatte der Oberst von Hake den damals neuen, parkartigen Gartenstil in England kennen gelernt. Da der Ohrbergpark im Zeitalter der sogenannten "Romantik" angelegt wurde, sind zahlreiche ausländische Gehölze hier angepflanzt worden. Die einheimischen Bäume und Sträucher wurden im Wechsel  mit den ausländischen Gehölzen so verteilt, dass sie harmonische Gruppen bildeten, die Wege wurden so geführt, dass sich immer wieder ein neues Sichtfeld öffnet  oder eine Fernsicht auf die Weserlandschaft ermöglicht. Wenn auch im Laufe der Jahre einige wertvolle Bäume eingingen, so werden jedoch durch Neuanpflanzungen entstandene Lücken geschlossen.

Im Jahre 1840 starb Georg Adolf von Hake kinderlos. Ein Vetter aus Diedersen erbte das Rittergut und den Ohrbergpark. In einer Fe1sennische, nahe am Weg zur alten Anlegestelle (seit 2001 legten die der Schiffe der Oberweserdampfschifffahrt Gesellschaft einige Meter weiter Flussaufwärts an, seit 2003 ist es deren Nachfolger, die Erlebnisschifffahrt Gesellschaft Mittelweser) setzte ihm dieser ein Sandsteindenkmal. Der Entwurf dafür stammt von Ernst von BandeI, dem Erbauer des Hermannsdenkmals. Weil ihm der Park sein ganzes Glück war, suchte er sich schon zu Lebzeiten ein Platz für das Denkmal aus. In dem Gedenkstein soIIte0 das Herz des Gründers der Ohrberganlagen beigesetzt worden sein, wie es sein Wunsch war.

Erwähnenswerte Baumarten sind: Mammutbaum, verschiedene Buchen, Tupelobaum, Amberbaum, Trompetenbäume, Schwedische Mehlbeere, Zwergkastanie, Perückenstrauch, Judasbaum, Christusdorn, Essigbaum, Gelbholz und Magnolien.

Seltene Gehölzarten sind: Götterbaum (Asien), ein Gingkobaum, der aus Japan stammt ,Zaubernuss (Hamamelis), die in der Kosmetik Verwendung findet, ihre Heimat ist in Virginien (USA), Fämer-Ahorn (Japan), kaukasische Flügelnuss, Syringenstraum (asiatischer Flieder) und Taubenbäume, die aus Tibet und China stammen.

Am bekanntesten wurde der Ohrbergpark wegen seiner zahlreichen frühblühenden Sträucher. Farbenprächtige Azaleen und Rhododendren, Schneeglöckchenbäume und der Kirschlorbeer, Robinien und Goldregen entfalten im Mai und Juni ihre Blüten und locken viele Besucher an.

Der Ohrberg wird aber auch wegen der schönen Aussicht sehr geschätzt. Nach Osten hat man eine herrliche Fernsicht über die große Weserschleife zwischen Ohr und Tündern. Der Blick geht über die Feldmarken der Ortschaften Ohr, Emmern, Hastenbeck und Tündern bis zu den Höhen, die den Horizont im Osten begrenzen: Bückeberg, Hellberg, Obensburg und Schecken. Nach Westen schaut man weit ins Hummetal und nach Norden über Hameln bis zum Süntel.

Im 2. Weltkrieg spielte der Ohrberg in den Kampfhandlungen keine Rolle. Zwar wurde schon 1940 der Ohrberg von einer Fliegerbombe getroffen, die aber in den Wald im Norden fiel. Schaden wurde dabei nicht verursacht.

Seit 1936 steht der Ohrberg unter Landschaftsschutz. Der Ohrberg mit seinen Parkanlagen ist Privateigentum derer von Hake. Aus Familientradition pflegen und erhalten die von Hake unter erheblichen finanziellen Opfern die Anlagen. Obwohl der Ohrberg anerkanntes Landschaftsschutzgebiet ist, werden dem Besitzern erst in letzter Zeit  Mittel für Pflege und Unterhaltung des Ohrbergparks von öffentlicher Hand  zur Verfügung gestellt. Nachdem der Park die letzten Jahre ein wenig heruntergekommen war und die Gaststätte lange Zeit geschlossen hatte, änderte sich das seit 1999. Nötige Reparaturen an der Infrastruktur der Anlage wurden vorgenommen und auch die Gaststätte eröffnete wieder.

Der Park ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

 
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